Vulkanbesteigung Gunung Rinjani – Tag 2

Vulkanbesteigung Gunung Rinjani – Tag 2

Tag 2:
02.00 Uhr: Aufstehen – kleines Frühstück und heißer Tee
02.30 Uhr: Aufstieg zum Gipfel
04.30 Uhr: schwierigster Teil des Aufstieges – Geröllfeld
06.00 Uhr: Ankunft am Gipfel – Sonnenaufgang
06.45 Uhr: 1,5-stündiger Abstieg zum Camp
07.30 Uhr: Frühstücken
08.00 Uhr: Dreistündiger Abstieg zum Kratersee Segara Anak (2.000m)
11.00 Uhr: Baden in den heißen Quellen
11.30 Uhr: Mittagessen am Seeufer
13.00 Uhr: knapp dreistündiger Aufstieg zum Senaru Kraterrand (2.600m)
15.00 Uhr: Erreichung des zweiten Basecamps am Senaru Kraterrand (2.600m)
18.00 Uhr: Essen – Sonnenuntergang und früh schlafen gehen

Nach einer gefühlt sehr kurzen und unruhigen Nacht klingelte der Wecke um 2 Uhr. Gefroren haben wir zum Glück nicht, es war eher teilweise zu warm. Auch unsere Beine fühlten sich noch nicht schwer an und wir waren guten Mutes für den Aufstieg zum Gipfel.
Nach einem kurzen Frühstück, es gab Toast und heißen Tee, haben wir uns also auf den Weg zum Gipfel gemacht. Hierfür sind schließlich noch 1000 Höhenmeter zu überwinden. Bewaffnet mit unseren Stirnlampen, eingepackt in zwei Hosen und Regenjacken, mit warmen Wechselklamotten im Rucksack ging es los. Der erste Teil des Aufstieges war gut zu bewältigen und wir reihten uns in die Taschenlampe-Kette ein. Es war stockdunkel und wir kämpften uns unter dem Sternenhimmel Stück für Stück voran, froh unsere guten Stirnlampen als Begleiter zu haben. Auf dem Weg überholten wir einige andere Touristen, die teilweise keine Lampen hatten und mit ihren Turnschuhen unterwegs waren. Wir fragten uns hier schon, wie die wohl oben ankommen wollen.

Nach knapp zwei Stunden hatten wir 2/3 des Weges geschafft. Der bis hierhin recht humane Weg über kleinere Steinpassagen und Mini-Geröllfelder sollte nun also der härteste Teil des Weges kommen: das große Geröllfeld. Je höher wir kamen, desto windiger, steiler und kälter wurde es leider auch. Vor dem letzten Teil machten wir noch eine kleine Pause. Da wir allerdings hier mehr und mehr froren haben wir uns lieber für langsam weitergehen entschieden. Auf dem Weg haben wir immer mehr andere Touristen am Hang sitzen sehen, die keinen Schritt mehr weitere gehen wollten und sich frierend irgendwie versucht haben vor dem Wind zu schützen.

Das Geröllfeld war wirklich der reinste Horror und wir kamen nur sehr langsam voran. Nach fünf bis sechs Schritten mussten wir immer wieder stehen bleiben um nicht all unsere Kräfte zu verlieren. Vor allem Andi ist immer wieder stärker abgerutscht. Der Wind wurde immer heftiger und der Staub des Gerölls machte Sicht und Atem schwer. Lenas Füße froren zunehmend ein und waren kaum noch spürbar… Wir fragten uns immer wieder warum haben wir uns das angetan…?! Als es fast schon unaushaltbar war sagten wir unserem Guide, dass wir uns kurz umziehen wollen. Wir waren sowieso schon der Meinung, dass wir es nicht zum Sonnenaufgang nach oben schaffen. Daraufhin meinte Bangko: „Hey kommt, nur noch 5 Minuten und wir sind oben!“. Das konnten wir kaum glauben, da wir immer wieder in unerreichbarer Ferne eine Stirnlampe leuchten sahen. Aber wir trauten Bangko und er sollte Recht behalten. An einer Felskuppe haben wir dann unsere vollgeschwitzten Sachen ausgezogen und T-Shirts, Pullis und Westen angezogen. Allerdings wurde uns dadurch nicht wirklich wärmer, es war wirklich bitterkalt. Auch allen anderen Touristen und Guides war anzusehen wie sehr sie froren.

Da Lena ihr Füße eigentlich nicht mehr spürte und wir beide unzählige Steinchen im Schuh hatten, haben wir versucht diese auszuleeren und die Füße etwas zu wärmen. Andi hat dann unter Einsatz seines Lebens Lenas rechten Fuß warmgepustet 😊Doch konnte er dem Erstickungstod gerade so entrinnen 😉 Da es nur wenig besser wurde und das Anziehen des Schuhs wegen der kalten Hände quasi unmöglich war, haben wir keinen weiteren Versuch gewagt.

Da sich bereits die Dämmerung zeigte sind wir noch schnell die letzten Meter bis zum Gipfel hochgeklettert. Was uns dann erwartete hat fast alles vergessen lassen: Ein atemberaubend rot-orange gefärbter Horizont. Sowas haben wir beide wirklich noch nie gesehen und es wird uns sicher ewig in Erinnerung bleiben. Der Blick über die umliegenden Inseln und das Land war atemberaubend. Bankgo hatte für uns warmen Zitronentee eingepackt, der ein wenig von innen wärmte. Wir haben einige Fotos gemacht und die Aussicht genossen.

Die erste Dämmerung
Sonnenaufgang
Gipfelstürmer

Wegen der Kälte sind wir dann aber recht schnell wieder abgestiegen. Insgesamt glauben wir, dass von den ca. 100 Personen die den Gipfel erreichen wollten nur 40 beim Sonnenaufgang oben waren und über die Hälfte es gar nicht geschafft haben. Dabei hat jeder erbärmlich versucht sich gegen die Kälte zu schützen.

Der Abstieg war dann quasi ein echter Spaziergang. Das Geröllfeld konnten wir in einer Mischung aus Schneeschuhwandern und Skifahren herunterlaufen. Allerdings waren wir froh, dass wir beim Aufstieg im Dunkeln nicht gesehen haben wo wir langgehen. Die Sonne war mittlerweile schon gut aufgegangen und wärmte unsere halb eingefrorenen Glieder. Glücklicherweise hatten wir unsere Sonnenbrillen eingepackt, die unsere Augen vor dem aufgewirbelten Staub schützten. Auf dem Weg kamen uns immer noch welche entgegen, die sich zum Gipfel hochkämpften…!

Vor dem Krater

Zurück am Zelt gab es ein kleines zweites Frühstück. Unglaublicher Weise gab es Hamburger mit frischen Pommes!!! Das haben wir bei 2600 Metern Höhe aus einer Campingküche auch noch nie gegessen… 😉 Bangko drängte uns dann aber zum zügigen weitergehen, damit wir nicht mit den vielen anderen Touristen zeitgleich absteigen. Er hat uns dafür eine ausgiebige Pause am Kratersee versprochen.

Also haben wir uns nach dem Zusammenpacken unserer sieben Sachen auf den Weg in Richtung Kratersee gemacht, der rund 600 Höhenmeter tiefer liegt. Der Abstieg war eine wirklich steile Angelegenheit und es mussten mehrere kleinere Kletterpassagen bewältigt werden. Während wir uns hierbei immer wieder festgehalten haben sind die Porter mit ihren Flip-Flops und der Last durch die Bambusstange mühelos ohne festhalten abgestiegen… Noch dazu waren sie viel schneller als wir! Wahnsinn…!!!

steiler Abstieg

Nach zweistündigem Abstieg sind wir am Ufer des Kratersees Segara angekommen. Der von oben so schön ausgesehene See war unten dann nicht mehr so fantastisch: Das Ufer war eine reine Müllhalde und auch das Wasser in Ufernähe hat nicht gerade zum Baden eingeladen…

Blick über den Kratersee

In der Nähe des Sees gab es aber durch den Vulkan einige heißen Quellen. Hier haben wir unsere müden Beine bei einem Bad erfrischt. Zunächst waren wir nur an einem etwas flacheren Teil. Als wir dann mit Bangko über Schwimmen gesprochen haben hat er uns zu einem tieferen Teil geführt. Hier konnten wir komplett eintauchen.

Bad in den heißen Quellen

Nach einem guten Mittagessen und einem kurzen Mittagsschlaf sollte es dann weitergehen zum heutigen Schlafplatz. Hierzu mussten wir die abgelaufenen 600 Höhenmeter wieder aufsteigen. Unsere Beine spürten wir zwischenzeitlich sehr… Der erste Teil des Aufstieges war eher steil und entsprechend eine Qual. Glücklicherweise hatten wir so aber zu Beginn der Strecke die meisten Höhenmeter geschafft. Die Kräfte schwanden zunehmend und wir waren froh als wir das Camp erreicht hatten. Von hier aus hatten wir erneut einen atemberaubenden Blick über den Kratersee und auch auf den erste am Morgen bestiegenen Gipfel des Vulkans. Nachdem wir nun wieder so richtig geschwitzt hatten konnten wir gar nicht so recht glauben wie sehr wir am Gipfel gefroren hatten…

Pause beim Aufstieg
der Vulkan

Da unsere Porter bereits vor Ort waren gab es auch direkt einen Zwischensnack. Wieder einmal haben sie uns überrascht: Es gab frisches Popcorn. Fantastisch was die hier so in er Campingküche zaubern 😉

Leider zogen zwischenzeitlich einige Wolken auf, sodass wir den Sonnenuntergang nicht so richtig gut sehen konnten. Aber es war auch mit den großen Wolkenbergen ein tolles Erlebnis und wir hatten dafür ja am Morgen einen wolkenfreien und sehr klaren Sonnenaufgang 😊 Schlimm war es für uns anzusehen wie viele Menschen noch bis spät in den Abend hinein im Basecamp angekommen sind und wie schlecht und abgekämpft sie aussahen. Das hatten sich wohl einige leichter vorgestellt.

Da wir vom Tag sehr erschöpft waren und es auch wieder recht schnell kalt wurde sind wir früh ins Zelt. Hier sind uns die Augen dann sehr schnell zugefallen.

Sonnenuntergang
Blick auf den „erklommenen“ Rinjani

4 Gedanken zu „Vulkanbesteigung Gunung Rinjani – Tag 2

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